3. Ausgangslage und Referenzszenario 1987 bis 2020

(1) Um einen Orientierungsrahmen für die Entwicklung der Energieverwendung und CO2-Emissionen einerseits und einen Vergleich verschiedener Maßnahmen zur CO2-Reduktion andererseits zu ermöglichen, ist eine Beschreibung der Ausgangslage unverzichtbar. Die Ausgangslage wird für die Jahr 1987, 1990 (das neue Basisjahr gemäß der Zielsetzung der Bundesregierung) und gemäß der aktuellen Datenverfügbarkeit zeitnah für 1993 dargestellt.

Eine Voraussetzung für die Strukturierung eines Klimaschutzkonzeptes sind Vorstellungen über die mittel- bis langfristig zu erwartende Entwicklung der Energieversorgung und
-nutzung unter "Statuts quo Bedingungen" in Form eines Referenzszenarios.
Status quo heißt dabei nicht, daß "alles beim alten bleibt", sondern daß Entwicklungstrends, die bereits heute in ihren Grundzügen angelegt sind, im Referenzzeitraum ausreifen (z. B. Ersatz alter Heizungssysteme, effizientere Anlagen im normalen Ersatzinvestitionszyklus). Gleichfalls werden die Energienutzung beeinflussende Parameter wie zum Beispiel die Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung berücksichtigt.
Status quo heißt aber auch, daß keine besonderen, deutlich über das bisherige Aktivitätsniveau hinaus gehenden Maßnahmen zur CO
2-Reduktion angenommen werden. Die über das übliche Aktivitätsniveau hinausgehenden Klimaschutzmaßnahmen der saarländischen Landesregierung (Zukunftsenergieprogramm) sind nicht Bestandteil des Referenzszenarios.
Das Referenzszenario bezieht sich auf einen Zeithorizont bis zum Jahr 2005 entsprechend dem Zielpunkt der Bundesregierung für eine CO
2-Reduktion um 25 % ausgehend vom Basisjahr 1990. Um die eher langfristigen Umsetzungszeiträume für regenerative Energien angemessen bewerten zu können, wurde darüber hinaus das Referenzszenario bis in die Jahre 2010 und 2020 – im Sinne eines Ausblickes – fortgeschrieben.


(2) In Tabelle 3-1 ist die Entwicklung des Endenergieverbrauches von Haushalten, Kleinverbrauchern, verarbeitendem Gewerbe und Bergbau von 1987 bis 2020 zusammengefaßt dargestellt.

• Ausgehend vom Jahr 1993 ist bis zum Jahr 2005 von einer Stagnation des Endenergieverbrauches auszugehen.

• Nach dem Jahr 2005 ergibt sich für den Ausblick bis zum Jahr 2020 ein kontinuierlicher Rückgang des Endenergieverbrauches. Im Vergleich zum Jahr 1993 wird der Endenergieverbrauch um 10 % niedriger liegen.

• Der Endenergieverbrauch der drei Verbrauchssektoren wird über den gesamten Betrachtungszeitraum zu gut 2/3 durch das verarbeitende Gewerbe einschließlich Bergbau geprägt. Die Wirtschaftsentwicklung in diesen Branchen ist somit im Saarland der wesentliche Einflußfaktor für die tatsächlich eintretenden Energieverbräuche in der Zukunft. Ohne die Eisenschaffende Industrie und den Bergbau verringert sich die Bedeutung des verarbeitenden Gewerbes im Referenzszenario deutlich auf nur noch etwa 40 %.

Tabelle 3-1: Entwicklung des Endenergieverbrauches nach Sektoren im Saarland von 1987 bis 2020

Sektoren

Ausgangslage

Referenzszenario

 

 

 

 

[Angaben in GWh]

1987

1990

1993

2005

2010

2020

Verarbeit. Gewerbe und Bergbau

· davon Eisensch. Industrie

· davon Bergbau

28.300

17.533

3.685

30.632

19.667

3.590

28.704

17.570

3.718

30.020

19.200

2.581

28.803

17.897

2.355

27.146

15.832

2.034

Kleinverbraucher

4.390

4.515

4.591

4.295

4.271

3.966

Haushalte

9.970

10.047

10.185

9.169

8.746

7.979

Summe

42.660

45.194

43.480

43.484

41.820

39.091

Summe ohne Eisenschaffende Industrie und Bergbau

21.442

21.937

22.192

21.703

21.568

21.225


(3) Die Verkehrsentwicklung von 1987 bis 2020 ist in Tabelle 3-2 zusammengefaßt dargestellt.

Beim Personenverkehr ist mit folgenden Entwicklungen zu rechnen:

• Bis zum Jahr 2005 wird weiterhin ein deutlicher Anstieg des Personenverkehrs erwartet. Der Verkehrsaufwand wird im Vergleich zum Jahr 1993 um 14 % zunehmen. Danach ist mit dem Ausblick bis zum Jahr 2020 weitgehend von einer Stagnation bis einem leichten Absinken auszugehen.

• Mit einem Anteil von ca. 80 % am Personenverkehrsaufwand bleibt das Auto auch zukünftig das dominierende Verkehrsmittel.

• Obwohl Busse und Bahnen ihren Verkehrsaufwand zwischen 1993 und 2020 um gut 40 % steigern, bleibt ihr Anteil am gesamten Personenverkehrsaufwand etwa unverändert bei ca. 10 %.

• Die deutlichsten Zuwachsraten mit fast 80 % zwischen 1993 und 2020 werden für den Personenflugverkehr erwartet. Am gesamten Personenverkehrsaufkommen nimmt der Anteil von knapp 7 % im Jahr 1993 auf knapp 11 % im Jahr 2020 zu.

Für den Güterverkehr ist von folgenden Entwicklungen auszugehen:

• Für die Zukunft wird ein kontinuierlicher Anstieg des Güterverkehres erwartet. Ausgehend vom Jahr 1993 soll der Güterverkehrsaufwand bis zum Jahr 2005 um über 20 % zunehmen. Bis zum Jahr 2020 wird - bezogen auf das Jahr 1993 - sogar ein Anstieg um 60 % erwartet.

• Wird von den geringfügigen Verschiebungen beim Transportaufwand zwischen Bahn und Schiff abgesehen, wird der zusätzliche Güterverkehrsaufwand neben dem Flugzeug fast ausschließlich über die Straße abgewickelt. Der Anteil der Straße am Güterverkehrsaufwand nimmt stetig von fast 70 % im Jahr 1993 auf fast 80 % im Jahr 2020 zu.

Tabelle 3-2: Verkehrsentwicklung im Saarland von 1987 bis 2020

Personen-verkehrsaufwand

Ausgangslage

Referenzszenario

 

 

 

 

[Angaben in Mio. Pkm]

1987

1990

1993

2005

2010

2020

Auto

11.171

11.591

11.790

13.125

12.882

12.457

Bus

707

724

747

888

874

867

Bahn

308

337

402

559

729

758

Fußgänger

192

196

232

205

214

219

Fahrrad

62

68

92

83

93

94

Flugzeug

610

827

980

1.360

1.504

1.720

Summe

13.050

13.743

14.243

16.220

16.296

16.115

Güter-verkehrsaufwand

Ausgangslage

Referenzszenario

 

 

 

 

[Angaben in Mio. tkm]

1987

1990

1993

2005

2010

2020

Straße

2.023

2.450

2.563

3.365

3.768

4.638

Bahn

1.411

1.197

955

925

903

908

Schiff

12

181

183

204

207

225

Flugzeug

31

42

58

133

170

250

Summe

3.477

3.870

3.759

4.627

5.048

6.021