7. CO2-Bilanzen

(1) Für die verschiedenen Emissionsverursacher wurden

• die direkten CO2-Emissionen im Saarland sowie

• die globalen CO2-Äquivalente berechnet.

Die direkten CO2-Emissionen beinhalten die CO2-Emissionen, die direkt bei der Verbrennung und Umwandlung der Energieträger vor Ort freigesetzt werden.

Die globalen CO2-Äquivalente berücksichtigen darüber hinaus die CO2-Emissionen aus der vorgelagerten Prozeßkette (Bereitstellung des Energieträgers, Gewinnung, Aufbereitung, Transport, Hilfsenergie) sowie außerdem die CO2-Äquivalente der Emissionen anderer klimawirksamer Gase. Unter die anderen zu berücksichtigenden klimawirksamen Gase fällt in den Bereichen Abfallwirtschaft, Energie und Landwirtschaft vor allem Methan (CH4). Im Bereich Landwirtschaft kommt noch Distickstoffoxid (N2O) hinzu. Der nachfolgende Überblick bezieht die CO2-Äquivalente und nicht die CO2-Emissionen in den Entwicklungsvergleich ein.


(2) In der Abbildung 7-1 sowie der Tabelle 7-1 sind die wesentlichen Ergebnisse für die Entwicklung im Referenz- und Klimaschutzszenario zusammengefaßt dargestellt.

• Während sich im Referenzszenario bis zum Jahr 2005 eine Stagnation der CO2-Äquivalente im Vergleich zum Basisjahr 1990 ergibt und erst nachfolgend bis zum Jahr 2020 eine Minderung um 13 % eintritt,

• können mit dem Klimaschutzszenario und den damit verbundenen Reduktionsmaßnahmen die klimarelevanten Emissionen um 22 % bis zum Jahr 2005 und um 47 % bis zum Jahr 2020 gesenkt werden.


(3) Die Verteilung der CO2-Äquivalente auf die verschiedenen Verursachergruppen weist folgende Merkmale auf:

• Die Abfall- und Landwirtschaft weisen mit Anteilen von jeweils etwa 1 % bis 2 % keine Bedeutung für die klimarelevanten Emissionen im Saarland auf.

• Das verarbeitende Gewerbe und der Bergbau sind zusammen mit einem Anteil von 60 % und in beiden Szenarien zukünftig noch mit steigendem Anteil die eindeutig dominierenden Verursacher klimarelevanter Emissionen im Saarland.

• Werden aus der Betrachtung die eisenschaffende Industrie und der Bergbau, die zusammen einen Anteil von ca. 45 % an den klimarelevanten Emissionen besitzen, ausgeklammert, reduziert sich der Anteil des verarbeitenden Gewerbes auf gut ein Drittel der CO2-Äquivalente. Die Anteile der übrigen Verursacher verdoppeln sich bei dieser Betrachtungsweise annähernd.

 

 

(4) Die Bedeutung der eisenschaffenden Industrie und des Bergbaues für die klimarelevanten Emissionen verdeutlicht den Einfluß regionalwirtschaftlicher Strukturen bei kleinräumigen Betrachtungen. Die Wirkung energieintensiver Branchen, zudem konzentriert auf eine relativ kleinräumige Betrachtungsebene, führt vor allem bei spezifischen CO2-Vergleichen zu einer Verzerrung. Die spezifischen einwohnerbezogenen CO2-Emissionen (ohne CO2-Äquivalente) im Saarland lagen im Jahr 1993

• bei 20 t/Einwohner unter Einbeziehung aller Verursacher und somit um gut 80 % über dem Bundesdurchschnitt oder

• bei 11 t/Einwohner ohne Berücksichtigung von Eisenschaffender Industrie und Bergbau und damit im Bundesdurchschnitt.

Die Entwicklung der einwohnerbezogenen CO2-Emissionen ist in Tabelle 7-2 dargestellt.

 

Tabelle 7-2: Entwicklung der einwohnerbezogenen CO2-Emissionen im Saarland (ohne CO2-Äquivalente)

CO2-Emissionen

Ausgangslage

Referenzszenario

Klimaschutz-szenario

 

 

 

 

 

 

[Tonnen / Einwohner]

1987

1990

1993

2005

2010

2020

2005

2010

2020

Emissionen einschließ-lich eisenschaffende Industrie und Bergbau

21

20

20

20

19

19

15

13

12

Emissionen ohne eisenschaffende Industrie und Bergbau

12

11

11

11

10

11

8

7

6

Anmerkung: Für das Jahr 2010 sind die Angaben ohne Abfallwirtschaft.
Für das Jahr 2020 sind die Angaben ohne Abfall- und Landwirtschaft.

(5) Mit dem Umsetzungskonzept für die Bereiche Energie und Verkehr lassen sich die CO2-Emissionen im Vergleich zum Referenzszenario nur um gut 1,2 Mio. t im Jahr 2005 senken. Dies ist nur ein Anteil von knapp 25 % bis gut 40 % des im Klimaschutzszenario ausgewiesenen Potentials (Prozentangaben einschließlich und ohne eisenschaffende Industrie). Unter Einbeziehung der Land- und Abfallwirtschaft ergeben sich die in Tabelle 7-3 dargestellten Minderungspotentiale für die CO2-Äquivalente.

Im Vergleich zum Basisjahr 1990 (vgl. Abbildung 7-2 und Tabelle 7.4)

• können mit dem Umsetzungskonzept zwar die klimarelevanten Emissionen um 6 % bis 9 % (ohne Eisenschaffende Industrie und Bergbau) reduziert werden und stellen damit schon einen meßbaren Erfolg gegenüber dem Referenzszenario dar,

• aber von einer Erreichung der 25 %-Minderung wie von der Bundesregierung als Zielmarke definiert wurde, ist auch das Umsetzungskonzept noch weit entfernt.

Wird berücksichtigt, daß das Umsetzungskonzept bereits erhebliche Aktivitäten nicht nur durch die Landesregierung, sondern auch durch andere energiepolitische Akteure im Saarland erfordert, wird deutlich, daß dringend von der Bundesregierung weitere Schritte zur Erreichung der von ihr festgesetzten CO2-Minderungsziele erforderlich sind.

Tabelle 7-3: Minderung der CO2-Äquivalente im Umsetzungskonzept im Vergleich zum Referenzszenario im Jahr 2005

Minderungsbereiche bzw. Minderungsmaßnahmen

CO2-Äquivalente
[1.000 t]

Verteilung der Minderungspotentiale

Einsparung im Gebäudebereich

236

19 %

Least-Cost-Planning

412

34 %

Regenerative Energien

193

16 %

KWK- und BHKW-Ausbau

311

25 %

Verkehr

31

3 %

Landwirtschaft

23

2 %

Abfallwirtschaft

14

1 %

Summe

1.220

100 %